Mozarts Fest - Schloss Engers 2006

Nett, wenn man auch mal von anderen Aktiven eingeladen wird :). Wenn die Veranstaltung dann auch noch fast um die Ecke liegt kann man da getrost Morgends aus dem Fenster schauen und spontan nach Wetterlage entscheiden. Schloss Engers in Neuwied war das Ziel - ein kleines Schlösschen direkt am Rhein gelegen und von einem (sehr) kleinen historischen Ortskern umgeben. Es soll über eine rheinseitige Freitreppe verfügen, ob dem so ist, weiß ich nicht, denn dort herrschte ein solcher Wind, daß wir dann doch lieber wieder in den geschützten Hof flüchteten :)

Da ja nach wie vor noch immer das Mozartjahr andauert stand das Barockfest unter diesem Thema und durchbrach damit unglücklicherweise meinen Mozartjahr-Boykott :) - anyway, das lässt sich jetzt eh nicht mehr ändern.

Wir kamen derweil in Neuwied an, rangen aus lauter Geiz um einen kostenlosen Parkplatz und machten uns dann auf die Suche nach einer Möglichkeit, angemessene Kleidung für den Empfang bei diesem ehemaligen Wunderkind anzulegen. Nach einem gescheiterten Versuch an der Kasse (wie gesagt, der richtige Weg den wir hätten gehen können lag dummerweise in meinem Spam-Ordner zu Hause :) ) belästigten wir die Besitzerin einer Kegelkneipe direkt vor dem Schloss wo wir für allerhand Unterhaltung des dortigen, durchschnittlich vermutlich 80-jährigen, Stammkundenstammtisches sorgten. Beim Umziehen auf der Kegelbahn nebenan dürfte sich Sabine dann auch vieler Hilfsangebote erfreuen, ihr beim Ankleiden zur Hand zu gehen ;) ...

Auf dem Markt angekommen fühlte man sich zurückversetzt in die Anfangszeit der Mittelaltermärkte hier in Deutschland - man konnte keinen Schritt machen, ohne von den zivilen Besuchern beobachtet zu werden, die hinter jeder Tat etwas historisches vermuteten, willig Fragen stellten und jeden Gewandeten für Veranstaltungszugehörig hielten - was uns dann doch irgendwann dazu nötigte, einen Programmflyer zu organisieren, damit wir Auskunft geben konnten :) - das alles hat richtig Spaß gemacht und machte mir wieder einmal bewußt, warum ich vor so vielen Jahren mit der Historie angefangen habe. :)

Der Markt im Hof des Schlosses war, ob der begrenzten Platzverhältnisse, schnell abgeschritten und war erwartet unbarock - mittendrin aber fand sich Matthias mit seinem BauRäucherwagen und die Schwestern Dettmers verkauften zeigten ihre Schnittmuster (und sind bedauerlicherweise viel zu früh gefahren, dabei wollte ich die Gelegenheit nutzen, mich einzudecken). Immerhin. Der Rest des Marktes ist wie bei solcherlei Märkten üblich eine Ansammlung verschiedenster Angebote gewesen, die vor allem eines waren: Gut verkäuflich, aber nicht sinderlich historisch. Aber das kann man sicherlich auch nicht erwarten, solche Händler dürften sehr schnell verhungert sein :) ... etwas mehr Handwerk wäre allerdings schon wünschenswert - aber das gilt für fast alle historischen Veranstaltungen dieser Art, die sich in den letzten Jahren zusehends zu Verkaufsshows entwickelten.

So blieb aber mehr Zeit für das eigentliche Programm und das hatte es, für eine Veranstaltung dieser Größe, wirklich in sich. Es gab einige Konzerte - wie sich das für die Akademie der Kammermusik auch gehört :) - Flugshows, wirklich schöne Vorführungen von Rokokotänzen inkl. Interaktion mit dem Publikum, Spielszenen und mein persönliches Highlight: Lesungen einiger Briefe Mozarts aus seiner Zeit am Rhein - nicht sehr schmeichelhaft für die Region aber witzig gemacht, davon hätte ich gerne mehr gehabt. Daneben hab es noch einiges an Kinderunterhaltung, das wir aus verständlichen Gründen eher mieden :) - und einen Raum in dem ein örtlicher Friseur sein Lager aufgeschlagen hatte und anscheinend seine aktuelle Kollektion photografierte und dafür den Raum in ein Studio verwandelt hatte - auch den mieden wir fürderhin ;)

Der Konzertsaal

Das Gebäude selbst wird aktuell nach wie vor genutzt und ist deswegen in einigen Bereichen sehr modern renoviert - verfügt aber über einen wirklich phantastischen Saal in dem die Konzerte stattfanden, einige wunderbar restaurierte Nebenräumlichkeiten und eine schöne alte Treppe, die dereinst vermutlich für die Dienstboten war. Der untere Saal war zum "Café Mozart" umgestaltet und dort konnte man in barocker Atmosphäre mit Blick auf den Rhein Kaffee und Kuchen schlemmen ... so man denn welchen bekam, denn die Ausgabe war ... suboptimal, um es mal vorsichtig auszudrücken :)

Schnell fand man auf dem Gelände die anderen Aktiven (meist an den windgeschützen Ecken :) ) oder wurde gefunden und plauderte munter in wechselnden Grüppchen vor sich hin - wie überhaupt die ganze Stimmung auf dem Fest sehr locker und positiv war, sowohl von Aktiven, als auch von Besuchern und Veranstaltern. Denen gebührt sowieso ein Extralob wie sie die Dinge handhabten. Als unser Grüppchen für das letzte Konzert des Tages zu spät kam um im überfüllten Saal noch einen Sitzplatz zu bekommen, weil wir uns auf dem Hof zu lange unterhalten hatten, entdeckten wir hinter der Bühne einen kleinen unbenutzten Kabinettsraum. Nach einer kurzen Nachfrage bei einer Ordnerin reichte man uns binnen Minuten zum Verantwortlichen durch, der uns ohne jedwede Überzeugungsarbeit in den Raum lies, uns sogar noch Sitzgelegenheiten brachte und uns so überraschend ein besonderes Erlebnis bescherte - genossen wir doch das Konzert in angemessen intimen Ambiente nur unter Gewandeten :). Toll.

In unserem "Privatkabinett" :)

Nach einigen vergnüglichen Stunden verließen wir Abends dann, nachdem sich allgemeine Aufbruchstimmung breit machte, diese sehr kurzweilige Veranstaltung, weil uns dann noch ein weiteres spezielles Erlebniss erwartete: Umziehen in der Öffentlichkeit direkt am Auto - das muß für manchen wirklich lustig ausgehen sehen :) - für mich tat es das bei einer wieder mal allzu hilfreichen Dame auf alle Fälle :)

Eine nette Veranstaltung - mal etwas anderes als die sonstigen eher internen Veranstaltungen und mit wesentlich mehr Publikumskontakt - mir hat es Spaß gemacht, auch wenn man sich gelegentlich, gerade auf dem Markt, schonmal etwas mehr Historie gewünscht hätte, aber das sind eher Kleinigkeiten ... schließlich ist die Veranstaltung nicht für uns Gewandete gemacht worden sondern für das gemeine Volk :)

Einige Impressionen, bedauerlicherweise sind die meisten Bilder von der Veranstaltung unscharf gewesen ... sieht wohl so aus, als würde ich nach über 6 Jahren eine neue Digicam benötigen.

© 2003-2007 Holger Rinke. Letzte Aktualisierung: 24.12.2006

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