Sonnenball 2006 in Nischwitz

Gerüchte machten bereits am Freitag Abend im Hotel die Runde, daß es womöglich der letzte Ball sein würde, was sich dann auf dem Ball selber bestätigte. Verschiedene Gründe wurden favorisiert, mal wolle der Schlossherr die Räumlichkeiten anderweitig nutzen, mal fehlten Besucher, mal sagten die Sponsoren ab ... so oder so war dies wohl der letzte Sonnenball in Nischwitz und somit etwas ganz besonderes, hieß es doch auch, von liebgewonnenen Ritualen abschied nehmen. Auf der einen Seite sehr schade, weil die Kulisse wirklich phantastisch war, auf der anderen Seite aber sicherlich auch eine Chance.

Offensichtlich hatte man sich die Kritik an den Karten des letzten Jahres zu Herzen genommen und wollte es diesesmal besonders aufwendig machen - und das ist gelungen ;) - als Eintrittskarte kam diesesmal eine feine Stuckornamentik im dicken wattierten Umschlag - alleine das machte neugierig ... auch, wenn das Taschentuch in der gesiegelten Depesche von 2004 unerreicht bleiben dürfte. Daß es sich bei der handhergestellten Stuckornamentik allerdings um ein "S" handelte und dieses wiederrum im diesjährigen Logo aufgegriffen wurde, wie man es hier auf dem Programm sehen kann ... daß mußte man mir auch erstmal zu später Stunde erleutern - gesehen habe ich es peinlicherweise nicht :)

Ansonsten war alles so hektisch und knapp wie immer ...
Schon im Vorfeld verzweifelte ich daran, jemanden zu finden, der mit aus meinem Knauf einen Gehstock in angemessener Größe fabrizieren kann ... letztendlich endete ich nach drei Schreinern und 2 Drechslern im Baumarkt in der Abteilung für Vorhangstangen und Schleifpapier. Die Schneiderin hatte in einer Nachtschicht noch Sabines Robe á la Polonaise fertig bekommen und auch mein neuer Justaucorps wurde fast noch unter der Nähmaschine weggezogen :). Ohne Stop ging es dann gleich runter nach Frankfurt, dort wurde das Auto gewechselt und am nächsten Tage ging es dann mit Klimaanlage und Navigationsgerät weiter gen Osten.

Und beides war bitter nötig :) - als wir zwischendurch eine Pause machten, aus dem Auto ausstiegen und uns die Beine vertreten wollten, schlug uns Luft zum Schneiden entgegen. In Leipzig dann ein Hotel gesucht (Novotel hat sich wirklich gemausert und hatte die Ehre, der Ort meiner diesjährigen "das muß ich noch vor dem Ball fertigmachen"-bastelei zu werden, in diesem Fall war es mein Gehstock ... wesentlich weniger schlimm als die Pailettenschnibbelei 2003), am Abend die Stadt und am nächsten Tag in brüllender Hitze den Zoo unsicher gemacht (dort gibt es übrigens ein wirklich feines neues Affengelände) und am Abend dann nach Nischwitz weiter wo wir - wie all die Jahre zuvor - im selben Zimmer landeten.

Auch auf dem Ball war eigentlich alles wie immer :)
Dummerweise galt das auch für die Sponsoren-Sonnenschirme der Vorjahre *seufz*. Das Unterhaltungsprogramm hatte etwas abgespeckt, aber man vermisste eigentlich nichts, denn dafür gab es mehr Kurzweil in kleinem Kreise mit Spielen und erzählten Geschichten, so daß wir die meisten der größeren Programmpunkte schlicht verpassten - durch den Park flanieren und nichts tun war - auch ob der Temperaturen - sowieso viel schöner :). Nicht zu vergessen natürlich die vielen netten Gespräche und Unterhaltungen mit anderen Historischen. Zumal es viele lauschige Orte gab, zu denen man sich mit einer Dame verabreden konnte - mir hatte es besonders ein Ort angetan den ich am Nachmittag vor der Veranstaltung entdeckt hatte, gleich hinter dem Teepavillion an einem kleinen Bach mit hohem Wildrasenbewuchs, zu dem ein kleiner Weg hinabführte - Schmetterlinge die über die Blüten schwirrten rundeten das Bild ab und verwandelten die Landschaft fast schon in ein Gemälde - kommt aber auf Bildern leider nicht rüber.

Ein schönes romantisches Plätzchen - kommt leider auf dem Photo nicht mehr rüber, glaubt's mir einfach :)

Eher zufällig entdeckten wir vor dem Essen ein kleines lauschiges Plätzchen unter der Vortreppe des Schlosses, wo man zwar einen Tisch mit Blick in den Park gedeckt hatte, dieser aber vom feiernden Adelsvolke vollkommen unberührt geblieben war. Umgehend wurde er mit Hut und Stock für den Grafen requiriert und so entspann sich dort im Verlauf des Abends eine unterhaltsame Runde mit Llywelyn, Sabine (dieses mal als Gräfin Orzelska :) ) und den Chevaliers Kuschel - die erst zum Tanze hin vorrübergehend unterbrochen wurde - wo dann ein sich sträubender Chevalier feststellte, daß es auch Spaß machen kann, das Tanzbein zu schwingen, anstatt nur einen Ausfallschritt auf den Gegner zuzumachen :)

Natürlich hat es niemand für nötig befunden, den Grafen darauf hinzuweisen, daß sein Kragen arg derrangiert an ihm hing. *hmpf*

Über die Kunst-Performance senke ich einmal den Mantel des Schweigens, denn ich habe sie nicht gesehen - wir, die wir nach dem Tanze am illuminierten Schlosse geblieben waren hörten aus dem Dunkel des Waldes nur immer wieder grausame Geräusche, sahen Blitze und rechneten fest damit, daß nicht alle Kunstfreunde zurückkehren würden :) - nachdem dann aber überraschend doch nahezu alle Verschollenen wieder das Schloss erreichten genossen wir noch das fulminante Feuerwerk im Beisein seiner Majestät.

Die allgemeine Aufbruchsstimmung nach dem Feuerwerk nutzten wir dann dazu, nochmals durch den Garten spazieren zu gehen - netterweise waren die Wege für die Performance mit hunderten Kerzen erleuchtet und abgesteckt, denn es war wirklich absolut stockduster. Wir verweilten noch ein längeren Moment am mit Fackeln beleuchteten Teepavillion, wo wir noch Witze darüber machten, daß wir uns sputen müssen, bevor die Kerzen der Wege verlöschen und wir nicht mehr sehen können, wo wir lang müssen. Dies trat dann (natürlich :) ) auch ein - auf dem Rückweg erloschen etliche Meter vor uns plötzlich schnell und konsequent die Wegmarkierungen ... eifriege Lakaien hatten bereits mit dem Abbau der Kulisse begonnen und nahmen uns unsere Orientierung. Diese hatten aber nach einem kurzen unterhaltsamen Gespräch ein Einsehen und gaben uns eine LED-Taschenlampe. Ja. Genau. Sehr modern und sehr peinlich, als wir denn endlich auch das Schloss wieder erreicht hatten :) ... wo wir uns dann in allgemeiner Runde verabschiedeten und heimische Gefilde anstrebten - etwa gegen 1:00 ... andere sind wohl noch bis etwa 4:00 geblieben und wirkten am nächsten Morgen auch entsprechend fröhlich :)

Mademoiselle lässt Haltung vermissen :)

Eine schöne Veranstaltung auf der ich sehr viel Spaß hatte - sogar das Wetter spielte wie immer mit. Ein feines Gartenfest mit sicherlich manchesmal schon fast karnevalesken Zügen, die man aber, ob des Ambientes, durchaus in kauf nimmt. Das Programm wirkte diesesmal etwas dünn platziert, aber da wir alle uns in allgemeinen selbst genug sind fiel das nicht weiter ins Gewicht :) - angenehm auffällig war aber die deutlich reduzierte Abendkleiderfraktion. Tatsächlich gab es diesesmal auch vieles, was man sich all die Jahre gewünscht hatte ... einen kleinen Tanzkurs am Nachmittag, der sich am Abend doch sehr angenehm auswirkte, genug Zeit für das Essen (selbst ich wurde fertig und hatte noch Zeit für einen Nachtisch :) ) und einen wirklich langen Tanzabend. Ich hoffe inständig, daß die Veranstalter doch noch eine angemessene Location finden um dieses Fest fortzusetzen.

© 2003-2007 Holger Rinke. Letzte Aktualisierung: 24.12.2006

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