Workshop:
Kacheln bemalen wie im alten Delft.

Im Rahmen der Ausstellung 12 x 13. Die Welt im Quadrat

Meine "sinnlose Tätigkeit des Jahres" für 2006 :)
Der Workshop selbst begann um eine holgerfreundliche Uhrzeit: 13:00 und es gab zunächst eine kleine Führung durch die Ausstellung mit der Kuratorin Frau Petri in der auf die Herstellung, die Geschichte und die Entwicklung der Kacheln eingegangen wurde mit einem kurzen Anriss der verschiedenen Motivelemete. In ihrer Kürze sehr komprimiert fand ich die Führung doch recht interessant - viele Elemente (Vereinfachung der Arbeitsschritte, Rationalisierung, Materianeinsparung ect.) welche die Entwicklung der Kachelmanufakturen bestimmten findet man heute in der Globalisierung wieder. Anschließend fanden sich die Teilnehmer in der "Kachelwerkstatt" ein - dem Kachelraum des Couven-Museums - um dort nach dem historischen Exkurs noch eine Einleitung in das Handwerkliche zu bekommen, bevor es dann auch schon sehr zügig ans Arbeiten ging.

Original Handwerkszeug für die Kachelherstellung und -bemalung.
Oben: Halter, Kachel im Rohzustand, Kachel im vorgebrannten Zustand, Kachel mit Glasur
Unten: Schablonen und Kohlestaub, schablonierte Kachel, Kachel ungebrannt, Kachel gebrannt.

Die Workshopteilnehmer

Herstellen einer weiteren Motiv-Schablone - die Umrisse werden durchstochen, die Schablone anschließend auf die Kachel gelegt und dann mit Kohlestaub übertragen.

Anrühren der Farbe - hier schwarz, später beim Brennen dann blau :)

Hilfestellungen gab es natürlich auch immer, wenn Bedarf bestand.

Der Meister bei der Arbeit :) ... hmmm ... ich hätte mich rasieren sollen

Hier kann man sehr schön das per Kohlestaub übertragene Motiv auf der Kachel sehen. Für jemanden wie mich mal eine vollkommen neue Erfahrung: Kein CTRL-Z, kein Radiergummi, keine Möglichkeit, einen Farbauftrag, eine Linie, einen falschen Strich, wieder los zu werden - die Kachelglasur ist da relativ unverzeihlich :)

Papiervorlage, Vorlagenkachel und ein in den Umrissen fertiges Vögelchen.

Meine 2. Kachel fertig bemalt aber noch ungebrannt. Die verschiedenen "Graustufen" erreicht man durch unterschiedlich starke Wassermengen in der Farbe - für Leute wie mich eh ein Glückspiel, weiß man doch nicht, wie stark die Farben im Brand werden.

Am Ende gab es dann für mich nochmal "authentische Arbeitsatmosphäre", weil ich mich in der mir eigenen Art natürlich wieder einmal übernommen habe, mit meinem als zweites gewählten Landschaftsmotiv nicht schnell genug fertig wurde und mich dann, während um mich rum schon aufgeräumt wurde, abhetzen dürfte - ganz wie in den Manufakturen seinerzeit ;)

Alles in allem ein sehr schöner Workshop, gut vorbereitet, unterhaltsam durchgeführt von kompetenten Leuten in netter Atmosphäre - einzig die arg geringe Auswahl an vorbereiteten Motiven war ein bißchen ärgerlich - 2 Vögelchenvarianten, 2 Obstkörbe - das wars. Gerade im Hinblick auf den Anlass und das Museum hätte ich mir da etwas mehr gewünscht - oder aber deutlich mehr Zeit, denn für Frischlinge hätte die Zeit nicht gereicht, noch ein eigenes (einfaches) Motiv auszustechen und ich hatte schlicht das Glück, daß noch jemand anders die Landschaftsszene meiner 2. Kachel machen wollte, der fixer war als ich und so schon die Schablone vorbereitete, während ich noch mit der Farbe rumpanschte.

Historische Informationen gab es "im Vorbeigehen" und das nicht zu knapp :) - gearbeitet wurde durchweg (soweit es heutige Ansprüche an die Gesundheit zuließen) im historischen Kontext mit historischen Materialien - und ja, bevor wieder jemand meckert: Mir waren die Papiertücher tatsächlich lieber als die Teile vom Hasen (oder Katze? Naja, auf alle Fälle irgendwas mit Fell), die man im Original für das Auftragen des Kohlestaubes verwedete :).


Das Endprodukt. Das Vögelchen etwas verunglückt, dafür die Landschaftsszene schon recht gelungen :)

Die verschiedenen Arbeitsschritte des Bemalens.

Alle Kacheln der Workshopteilnehmer
(auf der Seite der Kursleiterin Frau von Schaewen)

© 2003-2007 Holger Rinke. Letzte Aktualisierung: 24.12.2006

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