Documenta Vaticana | 1633 Der Prozess gegen Galileo Galilei

Documenta Vaticana / Media & Rezis

Nun gut, ich gebe es zu … ich habe mich mal wieder von Werbung beschwatzen lassen – zwar war die Anzeige etwas wirr, und konnte sich nicht so recht entscheiden, ob es nun “Die deutschen Päbste” für 1,95 oder aber “Die deutschen Päbste” für 9,90 oder aber “Die Prozessakten der Inquisition” für 9,90 als Erstlieferung gibt, aber wer meine Affinität zu alten Schriften kennt, der weiß, daß ich mich durch solcherlei Unbill nicht aufhalten lasse :) … schon gar nicht, wenn es um Dokumente aus dem erst wenige Jahre zugänglichen Archiv des Vatikans geht – an sowas kann ich nicht vorbeigehen.

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Das Paket vom Archiv-Verlag kam denn auch und war zum bersten gefüllt:
Mit jeder menge Werbung für Zeug, das mich nicht interessiert zu Preisen die hoffentlich jeden Anderen vom Interesse abhalten, mit der Rechnung (sic! :) ) mit einem Anschreiben des üblichen nebensächlichen Inhaltes. Weiteres unwichtiges Zeug (meine Besitzurkunde mit “handeingetragener” Editionsnummer, die bei einer Auflage von 10.000 doch eher … nunja … :) ) 3 Blätter der Sammlung mit Stellungnahmen diverser Vatikanmitarbeiter (Archivista e Bibliotecario die Santa Romana Cheisa, Prefetto della Biblioteca Apostolica Vaticana, Prefetto dell’Archivo Segreto Vaticano), eines sogar mit großem Farbphoto bei denen ich mich ernsthaft frage, wen deren Inhalt interessiert. Dazu dann noch das optisch sehr schöne Deckblatt der Sammlung, sogar mit Goldmetallic-Druck und schließlich der aufwendige rote Sammelordner in Kunstlerderausführung mit Goldprägung, von dem in der Anzeige gar nicht mal die Rede war, was mich umso mehr erfreute.

Das gesamte Material machte einen sehr aufwendigen Eindruck und war optisch sehr edel dem Thema angemessen gestaltet. Das weckte natürlich besondere Begehrlichkeiten ob des eigentlichen Objekts der Begierde das sich in einem extra Umschlag befand.

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Dieser enthielt ein faltbares Sammelblatt inklusive eingearbeiteter Tasche für die Faksimiles – in der für diese Edition üblichen aufwendigen Verarbeitung mit einem Bild des Prozesses (leider aus dem 19. Jahrhundert, was seine Darstellung doch interpretationswürdig macht) – so hoch im Druck aufgelöst, daß man die Rasterung tatsächlich erst unter dem Fadenzähler sehen kann – und einem kurzen Abriss der Zeit und Umstände des ausgewählten Themas sowie der Erleuterung, warum man gerade die ausgewählten Dokumente faksimiliert hat.

Bei diesen handelt es sich in der vorliegenden Lieferung um das bekannte Galileo-Portrait von Ottavio Leoni sowie das Tittelblatt von Galileos “Systema Cosmicum”. Sowohl die Auswahl als auch die Präsentation machen da auf mich einen eher lieblosen Eindruck – beides ist weithin bekannt, hundertfach im Internet zu finden und hat wenig mit dem eigentlichen Sammlungsthema zu tun. Ich wurde den Eindruck nicht los, als würde es sich um Verlegenheitsmaterial handeln um der Lieferung mehr oberflächliche Substanz zu geben.

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Als zentrales Dokument gab es dann als Auszug aus den Akten die Verteidigung Galileos vom 30. April (bzw. 10. Mai) 1633. Ich hätte mir zwar lieber die Anklageschrift gewünscht, aber die Verteidigung ist mir auch recht :). Das Dokument ist vierseitig, etwa A4 und im Original auf 3 Seiten beschrieben, wodurch die 4. Seite zwar “leer” ist, aber durch den Schriftdurchschlag natürlich im Faksimile bedruckt.

Und bei diesem Dokument weiß ich noch nicht so recht, was ich davon zu halten habe – klar, in dieser Preislage erwartet man kein extrem hochwertiges Faksimile, da würde der Preis noch nichtmal für ein Einzelblatt ausreichen, das dürfte jeder verstehen, aber ich erwarte eine dem Original ähnliche Haptik – das ist aber den typischen Alterungsflecken nach offensichtlich auf Pergament geschrieben. Im Faksimile aber fand ein stärkeres Strucktur-Papier Verwendung, ähnlich dem Material, das früher als maschinelles “Büttenpapier” verkauft wurde. Viele von Euch dürften es in einer leichteren Version schonmal gesehen haben – charakteristisch erkennbar ist es durch die typischen Querstreifen in der Strucktur. Ein schönes Material, aber nunmal in der Haptik nicht mit dem Originalmaterial zu vergleichen – noch nichtmal ansatzweise, da gibt es bessere Alternativen in derselben Preisklasse. Gleiches gilt selbstverständlich auch für die ersten beiden Faksimiledokumente, deren Originale auf gänzlich anderem Papier gedruckt wurden.

Könnte man damit aber noch leben, so sind es andere Dinge, die eher auf mangelnden Qualitätsanspruch oder gar auf – für solche Projekte fatale – unproffesionelle Arbeit schließen lassen und das eigentliche Dokument in die Grenze der Unbrauchbarkeit rücken.

So ist der Druck offensichtlich digitaler Natur, was nicht weiter tragisch wäre, würden sich über das ganze Dokument nicht massive Querstreifen ziehen, die man gerade an der Schrift selbst mit bloßem Auge erkennt. Ob dieser Fehler nun bei der Digitalisierung des Originalmaterials oder erst beim Druck auf das Struckurpapier aufgetreten ist halte ich für zweitrangig – eine ordentliche Endkontrolle hätte das fertige Dokument so nicht passieren dürfen.

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Auch handelt es sich offensichtlich nicht um ein korrektes Faksimile sondern um eine bearbeitete Fassung.
Woran man das merkt? Nun, die Bearbeitung am Rechner ist einfach peinlich schlampig gewesen:

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Auch andere Dinge machen einen lieblosen Eindruck mit wenig Gefühl für das Detail – so ist es verständlich, daß es in dieser Preisklasse zu viel verlangt wäre, extra Stanzen herzustellen um dort, wo das Original Löcher und Abrisse hat, diese auch im Faksimile einzuarbeiten – aber man kann erwarten, daß Löcher auch also solche deutlich zu erkennen sind. Im Vorliegenden Dokument gab es aber extem unterschliedliche Handhabungen bei Fehlern des Originals – und nur eine ist eigentlich richtig:

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Das Loch ist als solches zu erkennen. Aber schon die andere Seite derselben Beschädigung ist kaum auszumachen – es sieht so aus, als habe man das Dokument nicht als Einzelseite digitalisiert sondern die dahinterliegenden Seiten dort belassen – je nach Dokument geht das auch gar nicht anders, aber man sollte dann bei der Nachbearbeitung genau dies beachten und entsprechen die Stelle wieder dem Original nach freistellen – jeder gute Grafiker würde das Berücksichten, bei einem Projekt dieser Art halte ich das für selbstverständlich – zumal die Verschattung der Beschädigungen höchst unterschiedlich sind, wie schon die drei Bilder hier zeigen. Aber genau das ist offensichtlich nicht geschehen, so ist bei einer Beschädigung nicht nur die nicht mehr zum Faksimiledokument gehörende gegenüberliegende Seite durch einen Buchstabenteil zu sehen, sondern sogar der Durchschlag der zu dieser Seite gehörenden Rückseite.

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Positiv ist auf alle Fälle aber zu erwähnen, daß der handschriftliche Text nochmals in gedruckter Form in Transkription und in deutscher Übersetzung vorliegt – das erleichtert die entzifferung doch merklich :)

Fazit: Ich liebe es, mich mit alten Schriften und Karten zu beschäftigen – es ist für mich eine ganz besondere Art der Beschäftigung mit der Vergangenheit – es ist immer etwas anderes, einen Text im Original im wahrsten Sinne des Wortes zu erfassen, als einfach einen gedruckten Text in einem Buch zu lesen. In sofern finde ich die Möglichkeiten einer solchen bezahlbaren Sammlung recht angenehm und bin auch willens, dafür Abstriche hinzunehmen, was die Qualität betrifft – ein einzelner Faksimileband geht schnell in vierstellige Beträge, selbst der massenhaft hergestellte Merkator ist in der älteren hochwertigen Fassung noch ein leidlich dreistelliges Vergnügen.
Auch verspricht die Themenorientierung “Documenta Vaticana” einen spannenden Querschnitt durch die Historie, im Gegensatz zu einzelnen Faksimilebänden die der Natur der Sache folgend einem engen Zeitrahmen entsprechen – so ist die nächste Lieferung thematisch an die Dokumente von Chinon” aus dem Jahre 1308 angelehnt – runde 350 Jahre früher.

Warum aber bei der Qualität des Begleitmaterials gerade der zentrale Bestandteil der Sammlung einen so lieblosen, schon fast unproffesionellen, Eindruck macht, ist mir schleierhaft und enttäuscht schon etwas – gerade mit historischen Dokumenten beschäftigt man sich eingehender – umso schneller fallen eben Fehler darin auf.
Nun handelt es sich natürlich um die erste Zusendung zu verbilligten Konditionen der vermutlich – wie bei solchen Sammelwerken normal – in vielen Fällen keine weitere mehr folgt – in sofern schaue ich mir noch die nächsten Lieferungen an, denn für den Teaserpreis ist das Präsentierte aktzeptabel – für den Originalpreis nicht mehr.