
Fussmarsch zur Eyenaburg
Ostern 2006
Nunja, gut, ich hätte auch mit dem Bus fahren können, aber irgendwie reizte es mich, das ganze mal etwas "authentischer" anzugehen ... zumindest, soweit das heute noch geht. Also lief ich zu Fuß die Strecke von Aachen nach Kelmis. Warum? Weil ich Lust dazu hatte, weil es mal was anderes war, der richtigeren Art zu reisen entsprach und weil das mal ein schöner Testlauf für ... die andere Sache war, die im Laufe der nächsten 2 Jahre vielleicht ansteht. Ich suchte mir also eine möglichst historisch verbürgte Strecke raus (was nicht schwierig war, 90% der Strecke konnte ich über die alte Handels- und Pilgerstrasse laufen) hoffte auf gutes Wetter und wie es sich für einen einfachen Kriegsknecht gehörte trug ich die komplette Ausrüstung am Leib, inklusive des für einen Markt vollkommen sinnlosen Gerafells :)
Die Eynaburg war in sofern bestens geeignet für diesen "Test", weil sie gerade mal runde 10 Kilometer von Aachen weg liegt - das ist gut zu schaffen und auf der Karte sah es auch nach reizvoller Landschaft aus, also nahm ich den Photoapparat mit - für alle Fälle ... gebraucht habe ich ihn kaum, denn was auf der Karte nach einem schicken Naturschutzgebiet aussah, stellte sich als weitestgehend zersiedeltes Gebiet heraus.
Das Wetter hielt, so daß ich nur meinen inneren Schweinehund überwinden mußte, was bei aktzeptabelen Wetter (schön war es nicht) doch wesentlich leichter fällt. Mit Sach und Pack machte ich mich dann also gegen 12:30 auf den Weg ... und kam keine 300 Meter weit ohne daß erste mal angesprochen zu werden. "Bist Du auf der Walz oder so?" ... nun gut, die dame war nett und neugierig und so blieb ich einige Minuten hängen um ihr zu erklähren, was ich gerade mache :). Auch sonst war auf der Strecke allerhand los - selten bin ich so oft von vorbeifahrenden Autos angehupt worden, einige hielten sogar an und so manchem Wanderer mußte Rede und Antwort gestanden werden - Leute, wenn ihr Fremde kennenlernen wollt: Geht zu Fuß :)

Die vor ein paar Wochen erst entweihte Pilgerkirche St. Jakob.

Endlich ... nach 3 Kilometern das erste Grün.

Schon fast an der Grenze angekommen, entdeckte ich eine seltsame Bodenformation, hinter der ich Schützengräben aus dem 2. WK vermutete und die ich mir näher ansehen wollte - dabei stieß ich dann tatsächlich auf einen gesprengten Bunker. War dem Umweg durch Gehölz wert :)

Grenzlandbewohner. Bekommt man als Stadtmensch auch nur noch selten zu sehen :) ... und kaum näherte ich mich dem Gatter, geriet die ganze Herde in ´Bewegung und konnte gar nicht schnell genug zu mir kommen. Und das alles nur, um mich dann blöd von der Seite anzublöcken ;)

Ebenfalls Grenzlandbewohner derselben Stätte - wesentlich cooler bewegten sie sich nur, wenn es nötig erschien - in meinem Fall also gar nicht :)

Da sag nochmal einer, uns gehts schlecht. So wohnt man in Belgien gleich hinter der Grenze ;) - keine Fenster in den Mauern, keine Tür im Eingang, kein Dach auf dem Kopf und Strom vom mobilen Generator :)

Vierländereck? Neutrale Zone? Häh? Sowas gabs hier mal? Muß ich mich mal näher mit beschäftigen.

Erste Anzeichen von mittelalterlicher Besiedelung - an diesem Punkt hatte ich etwa 10-12 Kilometer Fußmarsch hinter mir - +2 Kilometer, weil ich an der entscheidenden Strasse vorbeigelaufen bin ;) ... und dann dieser vermatschte, beim letzten Regen abgesoffene Weg ... na klasse.

Endlich die Burg im Sichtfeld :) ... Essen und Trinken ist nah - nur noch ein paar hundert Meter den Berg hinauf.

War ein Markt wie jeder andere auch - was aber für die Eyenaburg bedeutet, daß sich eine Menge getan hat - mir hats gefallen, eine schöne Atmosphäre entwickelt sich dort. Dementsprechend waren auch die Besucherzahlen deutlich höher als das letzte Mal, wo ich hier war. Habe mich dann, nach einem ausgiebigem Mahl im Burginnenhof, auf dem Gelände umgeschaut, eine Menge alter Bekannter getroffen, zwischendurch Musikern gelauscht und bin stundenlang in den befreundeten Lagern hängen geblieben, weil die Leute so nett waren, daß ich nicht nur das Marktende verpasste, sondern auch den Einbruch der Dunkelheit nicht bemerkte. Und da fiel dann gleich der elementare Mangel in meiner Ausrüstung auf: Eine Fackel oder gar Laterne hatte ich natürlich nicht dabei.
Da es nach Regen roch und mich die Aussicht in einem fremden Zelt nur mit Umhang bei strömenden Regen zu liegen nicht gerade begeisterte nutze ich das letzte Licht der Dämmerung um mich nach einem überhasteten Aufbruch auf den komplett unbeleuchteten Rückweg zu machen in dem Versuch, die lichtbeschienene Zivilisation zu erreichen, bevor man gar nichts mehr sehen konnte. Dabei beginn ich den Fehler, der mich ein paar Kilometer und jede Menge Zeit extra kostete :).
Eingedenk des Schlamms, der meinen Hinweg zur Burg gekennzeichnet hatte und der Dunkelheit entschloss ich mich, den gepflasterten Weg zur Burg für die Autos zu nehmen - großer Fehler, denn die Strecke kannte ich nicht, und lief so im Dunkeln genau in die falsche Richtung, landete im falschen Dorf, bog dort einmal falsch ab und erst als mir ein Autobahnschild "Aachen" im Ort den Weg verkündete dämmerte mir, daß ich nicht nur ein bißchen falsch, sondern RICHTIG falsch war. Nachdem ich das Dorf dann einmal umrundet hatte und wieder am Ausgangspunkt angekommen war (um mich dort mit den auf den Bus wartenden Schankhilfen zu unterhalten) dürfte ich noch über eine typische mehrfach gewundene Landstrasse, als einzigen Orientierungspunkt einen Kirchturm den ich vom Nachmittag wiedererkannte am Horizont, von Hergenrath nach Kelmis laufen. Dort angekommen war es etwa 22:30 und es fing an zu regnen - was sich im späteren Verlauf noch zu einem Platzregen entwickelte. Bei strömenden Regen mit schmerzenden Füßen eine unbeleuchtete aber vielbefahrene Bundestrasse zurückzulaufen erschien mir nicht sehr erstrebendswert und so wollte ich mit dem Bus zurückfahren - auf den hätte ich aber noch 1:40 warten müssen, also war ein Taxi das nächste Gefährt der Wahl. Schonmal versucht in einem kleinen Dorf an einem Ostersamstag um 22:30 ein Taxi zu bekommen? Ich wurde schließlich in einer Pommesbude fündig, wo der Besitzer in der Taxizentrale anrief und das Gespräch mit "Hallo Schätzelchen" anfing. Schien zu wirken, denn 15 Minuten später war ich auf dem Weg nach Hause :)
Fazit: Insgesamt mit allen Umwegen und der Rennerei auf dem Markt habe ich gut 20km in kompletter Ausrüstung abgelaufen - ganz ordentlich für einen Stadtmenschen :) - und damit, trotz meiner Schummelei am Abend mit dem Taxi, mein Tagesziel erreicht. Und es hat sogar noch irgendwie Spaß gemacht, auch wenn mir am Abend die Lust verging, und meinen Füßen wohl auch. Insgesamt hat die Ausrüstung gut gehalten, aber ich brauche defenitiv andere Schuhe - am Abend hatte ich an beiden Füßen Blasen. Witzig war aber auch, daß 10-12km heutzutage eine Strecke sind, die ungläubiges Staunen hervorruft, wenn man erwähnt, daß man sie zu Fuß gelaufen ist. Zeitlich ging es auch: Hin habe ich etwa 2-2,5 Stunden gebraucht, dabei habe ich mich nicht sonderlich übereilt und dort wo es mir interessant erschien auch kleine Abstecher gemacht. Und nächstes Mal packe ich noch eine Fackel dazu :) ...
Mehr Bilder. (Vorsicht, nix für schwache Nerven Bandbreiten, ich war faul und habe alles in eine Datei gepackt :))
© 2003-2007 Holger Rinke. Letzte Aktualisierung: 24.12.2006