Aachen zu seiner Zeit ...

1188-1288

Seine Zeit ist geprägt vom Aufstieg der Grafschaft Berg in der Region, die einen vorläufigen Höhepunkt fand im limburger Erbfolgestreit der in einer der größten Schlachten des Hochmittelalters, der Schlacht zu Worringen gipfelte und das Machtgefüge in der Region auf Jahrhunderte festigte. Diese Schlacht 1288 bildet auch gleichzeitig den spätestmöglichen Endzeitpunkt der Darstellung.

Darüberhinaus natürlich die Auseinandersetzung der Welfen gegen die Staufer und später der Aufstieg der Habsburger - in der Aachen als Krönungsstätte zwar eine symbolträchtige aber realpolitisch eher untergeordnete Rolle spielte.

Aachen als Reichsstadt mit erschwindelten PrivilegienAachen bildete zu dieser Zeit die Freie Reichsstadt Aachen - ein Privileg, daß Ihr 1166 von Kaiser Barbarossa erteilt (und 1336 durch Ludwig IV. nochmals bei der Erweiterung zum Aachener Reich bestätigt) wurde.
Zuvor aber erhielt es durch ihn umfangreiche Zugeständnisse - unter anderem Zollfreiheit, Handelsprivilegien und das Münzrecht -allerdings *hüstel* auf Basis einer gefälschten Urkunde Karls des Großen, welche die Aachener (oder genauer die Kanoniker des Münzstiftes) "bestätigt" haben wollten.

Gegen 1177 erhielt Aachen dann seine erste Stadtmauer - ihr Verlauf entspricht in etwa dem heutigen inneren Grabenring - und nur, weil ein bißchen Stolz dabei ist - der Zeitreiser wohnt heuer tatsächlich innerhalb dieser Umgrenzung :). Sie verfügte über 10 Tore und hatte eine Länge von etwa 2400 Metern.
Lange dauerte es nicht, bis sie einer Bewährungsprobe standhalten mußte - bereits 1198 (und damit endlich innerhalb der Darstellungszeit :) ) wurde die Stadt von den Welfen unter Otto IV. belagert und eingenommen - den Aachenern mangelte es schlicht an Verteidigern, die Stadtmauer wirkungsvoll zu besetzten, und so gab die Stadt bereits nach 3 Wochen auf und Otto wurde zum König gekrönt. Lange währte sein Glück wohl nicht, denn bereits 1208 erging dieselbe Ehre ebenfalls in Aachen an den Staufer Philipp von Schwaben.

Staufer und Welfen scheinen in Aachen des öfteren ein munteres Stelldichein gehabt zu habenStaufer und Welfen scheinen in Aachen des öfteren ein munteres Stelldichein gehabt zu haben - auch innerhalb der Bürgerschaft. So ist überliefert, daß 1214, als der Staufer Friedrich II. Aachen besuchte, während man diesem die Tore öffnette die Anhänger der Welfen in den Granusturm auswichen, bis seine Krönung vollzogen war.

Wer sich über das feine Tuch, welches der Zeitreiser trägt, wundert, der darf dies ruhig - die weitbekannte und als Wirtschaftsfaktor sehr bedeutende Tuchwalkerei nahm um ca. 1220 in Aachen ihren Anfang. Erste urkundliche Erwähnung dieses Gewerbes ist 1258.

Krönungen waren die Währung, mit der sich Aachen nicht nur seine Unabhängigkeit erkaufte.Krönungen waren die Währung, mit der sich Aachen nicht nur seine Unabhängigkeit sondern auch seine Privilegien und seine bauliche Erhaltung erkaufte. Als 1248 König Wilhelm von Oranien die Stadt mehr als ein halbes Jahr belagerte und schließlich einnahm gabes - wie üblich ;) - flugs eine Krönung, die Privilegien der Stadt wurden bestätigt ... alles wie gehabt.

Beindruckend, wie Wilhelm die Einnahme gelang, denn die Stadt wurde - dank friesischer Kreuzfahrer und ihrer Baukünste - schlicht überflutet. Was dann die Stadt dazu veranlasste, über eine neue Stadtmauer (die spätere 2. Staudtmauer, die seit Ihrer Niederlegung zu napoleonischer Zeit nur noch an Fragmenten auf dem äusseren Grabenring zu erkennen ist) nachzudenken. Bis 1288 ist es dabei aber nicht mehr zum Bau gekommen (dieser Begann wohl erst zur Jahrhundertwende) - es fehlte schlicht das Geld obwohl man allerlei Findigkeiten enteckte, es einzutreiben - so gab es neue Steuern, Abgaben wurden den umliegenden Ländereien abgepresst - selbst Strafzahlungen an die Gerichtskasse sollen in den Fond geflossen sein. Immerhin gab es - neben diversen Krönungen :) - endlich 1267 ein eigenes Rathaus1267 ein eigenes Rathaus - nicht dort, wo das heutige Rathaus steht (ein Pfalzumbau ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert) sondern am heutigen Fischmarkt, gleich direkt gegenüber dem Dom. Richard von Cornwall gestatte der Stadt den Bau und dokumentierte damit erstmals ihren städtischen Status, denn nun waren es nicht mehr Beamte des Kaisers, welche über die Stadt herrschten, sondern die Bürger selbst. Einen "Bürgermeister" soll es aber bereits unter Wilhelm von Oranien gegeben haben. Der für seine Zeit beachtliche Bau wird - ähnlich dem neuen Rathaus, das 50 gekrönte Häupter Deutschlands zeigt - geschmückt durch Statuen der sieben Kurfürsten des Reiches und ist heute Stadtarchiv. Nicht mehr erhalten ist leider ein Treppenturm, der sich früher auf dem Nachbargrundstück befand, und über welchen die Ratsherren in den im ersten Stock gelegenen Ratssaal gelangen konnten.

Die Geldprobleme haben die Stadt wohl arg beschäftigt, denn als letztes bedeutendes Ereignis dieser Zeit wird nur noch die Krönung Rudolfs I zum König erwähnt - ein Habsburger.

Fast jedenfalls - ein Ereignis war so bedeutend, daß die Aachener es heute noch jedem erzählen, der es hören will - und jedem, der durch Zufall am falschen Brunnen steht und nicht schnell genug weg kommt :) - Ein Ereignis war so bedeutend, daß die Aachener es heute noch jedem erzählenes gibt so viele Varianten der Geschichte, daß ich hier nur eine wiedergebe - die, welche mir am realistischsten erscheint und durch spärliche Unterlagen wenigstens Ansatzweise gedeckt ist.
1278, der Kaiser vertrat seine Interessen gerade in Italien, kam es zu kämpfen in der Stadt - nachdem der Graf von Jülich bei Nacht durch das Kölntor eindringen und mit seiner Heerschar aus etwa 500 Gefolgsleuten bis in den Stadtkern vordringen konnte, bevor er bemerkt wurde - dort kam es zum bewaffneten Wiederstand. Die Bürger der Stadt flüchteten sich unter anderem auf die Hausdächer und deckten die Angreifer von dort mit allem ein, was ihnen in die Hände kam - schließlich wurden die Angreifer zurückgedrängt in Richtung Jakobsstrasse. Der Graf mit seinen Söhnen suchte Zuflucht im Kloster der weißen Frauen, welche ihm allerdings die Zutritt verweigerten. So fand der Graf und sein familiärer Anhang ein eher unrühmliches Ende durch Angehörige der Metzgerinnung, deren Zunfthaus sich in der Nähe befand.

Was Aachener dann weniger oft erzählen... Was Aachener dann weniger oft erzählen (viele wissen es wohl auch nicht) macht die Sache dann doch etwas komplizierter, denn der gute Wilhelm IV von Jülich war zugleich Vogt von Aachen - ihm unterstand also unter anderem die Gerichtsbarkeit. Die Aachener erkannten dieses Privileg aber offensichtlich nicht an, und wollten es Johan I - Herzog von Brabant - andienen. Der Graf von Jülich verteidigte also aus seiner Sicht vollkommens zu Recht seine ihm vom König verliehenen Rechte (ein Umstand, der sich dann im Verlauf der nächsten Jahre eher ungünstig auf Aachen auswirkte). Und so ist es noch heute umstritten, ob der Wilhelm IV tatsächlich bei Nacht und Nebel eindrang oder ob er nicht als Vogt die Stadt betrat und es dann zum Streit kam der schließlich eskalierte.
Das heutige Standbild am Ort des gräflichen Endes zeigt im übrigen einen Schmied - eine spätere Ausschmückung der Geschichte, in welcher der Graf durch Verrat in die Stadt gekommen dort nebst seinen drei Söhnen von einem Schmied mit einem Schmiedehammer erschlagen wird, nachdem er versuchte aus dem Jakobstor zu flüchten, welches verschlossen war ... netter zu erzählen als das Original, aber unwahrscheinlicher :)

1288 Die Schlacht zu Worringen gilt als eine der größten Auseinandersetzungen des Mittelalters 1288 an der Schlacht zu Worringen, war Aachen nicht durch Truppen beteiligt - und obwohl sie eigentlich (soweit man das in den eher verworrenen Allianzen sagen kann - so wären die Grafen von Berg und Mark eigentlich Lehnspflichtig gewesen dem Herzog von Westphalen: Ihrem Kriegsgegner, Siegfried von Westerburg) auf der Gewinnerseite standen - schließlich gelang es Brabant, seine Ansprüche durchzusetzen, verloren sie doch eher durch die Stadterhebung Düsseldorfs und der faktischen freien Reichsstadt (nicht nach Titel, aber nach Privilegien) Köln an Einfluss im Machtgefüge.

© 2003-2007 Holger Rinke. Letzte Aktualisierung: 24.12.2006

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