
Jaja, schon gut ...
Das Volk bekommt, was des Gaffers Begehr :)
Einige haben es Gerüchteweise vernommen (schon faszinierend, wie schnell solche Informationen selbst die hinterletzte Ecke der historischen Szene erreichen :) ), andere habe ich in einer eilig zusammengezimmerten Rundmail noch informieren können, die ich an einen recht großen Adresstamm schrieb, weil ich nicht so sicher war, mit wem ich wann (et)was machen wollte :) ...
Es gibt verschiedene Versionen der Ereignisse, die zu einem Gips, einem 4-Tage-Krankenhausaufenthalt, etwa 82369 Thrombosespritzen - von denen die Ärzte tätsächlich glaubten, daß ich mich damit selbst quälen würde - diversen Krücken, umständlichen Einkaufversuchen, viel Hüpferei, diversen Schmerzen, reichlich Unannehmlichkeiten und vermutlich noch einer nervigen Reha geführt haben. Da ich mich noch für keine entscheiden konnte, ich bei den meisten Fassungen ziemlich blöd darstehe und man mir bescheinigte, daß einige ausgeschmückte Varianten maßlos und offensichtlich übertrieben seien stelle ich Euch einfach mal einige Varianten zur Auswahl - es gibt auch noch eine originak mittelalterliche und eine Rokokovariante, aber die muß ich persönlich erzählen, sonst geht der Witz verloren ;)
Du bist Schuld - Variante | Die Wahrheit | Mittelalter-Variante
So oder so marschierte ich damit, derweil ich noch an eine Prellung glaubte, zur Arbeit. Es war zwar schwierig in den Schuh zu kommen und tats ziemlich weh, aber so ist das halt bei Prellungen. Dort arbeitend entschloss ich mich dann zur Mittagspause, weil es einfach nicht besser werden wollte, doch noch zu einem Arztbesuch - was an sich schon ungewöhnlich ist, normalerweise renne ich mit sowas immer nochmal 1-2 Wochen herum und tue dann so, als währe nichts passiert :). Nach diversen Versuchen in Praxen mit Doktoren in mehrstündiger Mittagspause humpelte ich schließlich bei einem Chirugen hinein der mich gnädigerweise aufnahm. Dort mußte ich erstmal der Arzthelferin zeigen, wo sie zu röntgen hatte, derweil man von Aussen ausser einer ganz leichten Prellung nichts sehen konnte, was mich darin bekräftigte, nach der längeren Mittagspause wieder auf der Arbeit aufzuschlagen. Daraus wurde dann nichts. Nach einem Blick auf das Röntgenbild meinte die Arzthelferin nur noch "Ohoh" - etwas, das ich noch öfter hören sollte :) - als nächstes vom Arzt, der mich nach einem Blick auf das Röntgenbild ("Ohoh" :) ) gleich in die Ambulanz des Krankenhauses weiterüberwies - zuvor gab es aber noch einen schicken Gips und die erste von vielen Thrombosespritzen.

Am nächsten Morgen schlug ich dort mit Sack und Pack für mehrere Tage Klinikaufenthalt auf und erhielt das nächste "Ohoh" nach einem Blick auf das Röntgenbild. Meine Befürchtungen nach diesem Ohoh bewahrheiteten sich und nach läppichen 5 Stunden Wartezeit und etwa 8-10 Minuten Gesprächen mit 2 Ärzten war ich um einen OP-Termin mit stationärem Aufenthalt (und jeder Menge phantasieanregender Handzettel über Dinge die schiefgehen können) reicher, dürfte aber wieder nach Hause fahren, solange ich nicht allzusehr der Wanderlust fröhnte (nicht, daß es mich danach gelüstete :) ) - damit war ich dann erstmal für ein paar Wochen endgültig aus dem Verkehr gezogen.
Zur angenehmen Uhrzeit von 7:30 *ächz* dürfte ich dann im Krankenhaus antanzen - wieder mit Sack und Pack bekam mein Zimmer und bis etwa 13:15 Zeit mir in wildesten Farben die OP zurechtzuphantasieren - glücklicherweise trat nichts davon ein und ich habe wahrscheinlich mit meinem "ich will davon nix mitbekommen!!!" auf das ich in der OP-Vorbereitung jeden Hinwies, der des nicht hören wollte, tierisch die komplette Truppe genervt. Diese 15 Minuten waren übrigens ... nunja, nicht gerade beruhigend ;) ... man stelle sich vor ... man liegt schon im OP-Hemdchen mit den ernsten Eingeworfenen Beruhigungsmitteln auf dem OP-Wagen und mit dem Vorbereitungs-Zivi ergibt sich folgendes Gespräch:
"Ach sie bekommen ja eine Vollnarkose" - "Äh ... ne, eigentlich nicht" - *schaut verdutzt drein* "Ach ... na, dann schauen wir mal". Anschließend wird man - bereits von leichten Panikattacken ob der Narkose - in den nächsten Raum geschoben wo man dann mitbekommt wie man im OP-Saal etwa 10 Minuten versucht, jemanden wachzubekommen, am Ende mit Ohrfeigen. Die Anesthesie-Schwester legt derweil die ersten Zuleitungen und wundert sich über den Hinweis, daß ich nicht dabei zusehen will, was die da unten an meinem Fuß treiben :) - nach einem Blick in die Unterlagen schaut sie auf und meint "Sicher?" - ja, da habe ich schon leichte Panik bekommen :) - die wurde auch nicht besser, als die Assistenzärztin aus dem OP-Saal kam, mich sah und meinte "Ach ja, der Handmittelknochen" - genau das was man hören möchte, kurz bevor an einem rumgeschnibbelt wird :-0 ... wenigstens wurde sie umgehend von einer Schwester verbessert, was mich nur leidlich beruhigte :) ... das erledigte dann der Anästhesiearzt der trotz meiner vielen Hinweise so nett war, mir jeden Handgriff haarklein zu erleutern - dabei wollte ich das alles gar nicht wissen ... nunja, dann wurden auch schon meine Beine schwer und ich dämmerte binnen weniger Sekunden komplett weg und wachte ein paar Stunden später wieder im Zimmer auf - daran erinnern kann ich mich nicht mehr wirklich, aber ich muß wohl meinen am Bett wachenden Besuch komplett ignoriert und zum Ausgleich dafür wildfremden Leuten zugewunken haben :)

Highlights des an Höhepunkten armen Krankenhausaufenthalts waren sicherlich:
-Netzwerk gab es keins, der Höhepunkt der medialen Unterhaltung war ein Fernseher pro Zimmer der über Telefon ferngesteuert wurde - naja, gut, das war der Höhepunkt, bis ich meinen Rechner auspackte.
- Der Arzt der mit nach der Operation sagte: "Sie dürfen jetzt wieder laufen" ... ungefähr 10 Stunden nachdem mich seine Krankenschwestern bereits auf die Toilette gepeitscht hatten, was wiederrum ungefähr 5 Stunden nach der OP war.
- Die Feststellung, daß meine Krücken eigentlich zu klein für mich sind und ich andere brauche ... am Entlassungstag und nachdem ich bereits eine Woche damit rumpehampelt bin - immerhin bekam ich dann aufgrund der Initiative der entsprechenden Ärztin neue, passende Krücken. Warum sie allerdings erst an meinem Entlassungstag zu mir gerufen wurde und nicht dann, wann ich sie theoretisch hätte gebrauchen können, wird wohl ein Rätsel der Krankenhauslogistik bleiben.
- Wecken um 6:30-7:15 dann war bis 9:00 tote Hose wo dann das Frühstück kam. Oder vielmehr das, was das Krankenhaus so bezeichnete. Gleiches gilt für das Mittagessen das immer noch Krankenhausfraß genannt werden kann und natürlich das Abendessen zu Erwachsenengerechten Zeit von 17:30-18:00 Uhr, das sich eigentlich nur durch eine Scheibe Wurst vom Frühstück unterschied.
- Der schwule OP-Vorbereitungszivi welcher im Vorbereitungsraum wirklich "erschien" (und nicht nur den Raum betrat) und mich in meinem OP-Röckchen mit einem fröhlichen "Hallöchen, äsch mach sie jätzt mal färtig" begrüßte. Obwohl ... der war, wie die restliche OP-Truppe eigentlich wirklich nett.

© 2003-2007 Holger Rinke. Letzte Aktualisierung: 24.12.2006